Lebenshaltung in Frankfurt des Jahres 1475, Teil 1: Geld

Als Gemeinschaftsprojekt von Helenopolis – Frankfurter Aufgebot 1475 und Geschichtsfenster, soll diese kleine Serie ein wenig die Lebenshaltung der Menschen damals beleuchten.
In den kommenten Artikeln werden Löhne und Lebenshaltungskosten betrachtet, als Grundlage wird es heute aber um das Geld gehen:

Geld im Frankfurt des Jahres 1475

Grundsätzlich gibt es zwei Arten mit Geld zu rechnen im späten Mittelalter. Einmal auf dem Papier mittels Rechnungswährungen, das andere mit dem Nennwert einer verbreiteten Münze.

Rechnungswährung:

Rheinischer Goldgulden, Mainz, Erzbischof Johann II. von Nassau (1397–1419), geprägt zwischen 1399 und 1402 in Frankfurt-Höchst

Rheinischer Goldgulden, Mainz, Erzbischof Johann II. von Nassau (1397–1419), geprägt zwischen 1399 und 1402 in Frankfurt-Höchst

Im 14. Jahrhundert schlossen sich die rheinischen Kurfürsten, also die Erzbischöfe von Köln, Trier und Mainz, sowie der Pfalzgraf bei Rhein zum rheinischen Münzverein zusammen und prägten den Rheinischen Gulden auf Grundlage der Kölner Mark. Aus einer Mark Gold (234 g) wurden ursprünglich 66 Gulden geschlagen.
Dieser rheinische Gulden wurde im Verlauf des Spätmittelalters zu einer Art Leitwährung im gesamten Reich, die auch für Umrechungen genutzt wurde.
Unterteilt wurde wie folgt:

1 Gulden = 24 Schilling Heller = 216 Heller
1 Schilling Heller = 9 Heller

Abgekürzt wurde der rheinische Gulden als „fl rh“ abgekürzt, „fl“ lehnt sich dabei an den Florin an, der ursprünglich in Florenz geprägt wurde. Die Abkürzungen für Schilling und Heller lauten „ß“ und „hlr“.
Neben dem rheinischen Münzverband gab es noch den älteren wendischen Münzerverband der wendischen Hansestädte von 1379 und den Rappenmünzbund von 1403, dem neben Städten wie Basel und Freiburg auch der Herzog von Österreich angehörte.

Die Unterscheidung zwischen Rechen- und Umlaufwährung entsteht durch die schleichende Abwertung des Geldes durch geringer werdende Edelmetallanteile.
Der rheinische Gulden um 1475 hat real zwischen 18 und 19 ½ Karat, rechnerisch aber 24 Karat. Bei den Silbermünzen ist ebenfalls meist minderwertig Metall beigefügt. Auch da geht die Rechenwährung aber stets von quasi reinem Material aus.

Die andere, ältere Methode von Rechnungseinheiten war das Pfund bzw. die Mark. Hier wurde im Grunde in reinem Edelmetallgewicht gerechnet. Ursprünglich war dies das Karlspfund bzw. das halbe Pfund die Mark.
Durch den Erfolg des rheinischen Guldens, wurde die Kölner Mark bzw. das Kölner Pfund sehr populär und löste das Karlspfund quasi ab.
Als Recheneinheit haben wir also das Pfund und die Mark in Silber, manchmal auch Pfund oder Mark Heller genannt. Dies war die übliche Einheit für Verträge, Rechnungen über größere Summen usw. Unterteilt wurde die Mark Silber in 256 Pfennige, wobei dieser Gewichtspfennig nicht mit der Münze verwechselt werden darf.

Umlaufmünzen:

Bei den Münzen ist der rheinische Gulden ebenso führend, da aber der Goldgehalt schon aus technischen Gründen ganz rein sein konnte, weicht der Wert der Münze „Gulden“ von dem der Rechnungseinheit mit der Zeit ab. Um 1475, lag der Goldgehalt eines rheinischen Guldens bei etwas über 19 Karat (24 Karat wäre reines Gold).
Als Gegenstück dazu wurde unter anderem in Frankfurt ein königlicher Gulden geprägt, der sich, zumindest in unserem Zeitraum, kaum vom rheinischen unterschied aber nie so populär wurde.

Englischer aus Frankfurt, eine Nachahmung eines Brabanter Sterling

Die Alltagsmünzen waren aber Silbermünzen. In Frankfurt der Heller, der Englische und die Tournose, die alle in Frankfurt selbst geschlagen wurden. Die Tournose (auch Turnose) leitete sich dabei vom französischen “grossus denarius Turonus”der seit 1266 geschlagen wurde. Eingedeutscht wurde er auch als Tournosgroschen bezeichnet und ist heute als Groschen noch sprachlisch präsent. Der Englische ist dagegen eine Nachprägung des Brabanter Sterlings. Der Frankfurter Heller war neben dem Albus oder Weißpfennig des Rheinischen Münzvereins eine der populärsten Silbermünzen im Reich.

Für die Tournose haben wir auch gute verlässliche Quellen was das Gewicht und den Reinheitsgrad angeht. So gibt es aus den Jahren 1471 und 1473 Anweisungen an den Münzmeister, das diese einen Silbergehalt von 14,5 Lot aufweisen sollte. Somit wäre der Silbergehalt knapp über 90%.
1452 wurden Tournosen aus „des gemeinen Kauffmans butel“ einer Probe unterzogen und ein Feinsilbergehalt von 2,565 gramm festgestellt. Damit würde eine Tournose 3,04 gramm wiegen, wenn der Silbergehalt genau eingehalten wäre. Im 14, Jahrhundert wurden noch aus einer Kölner Mark Silber (233,8 g) 63 3/4 Tournosen geschlagen, was einem Feinsilbergehalt von 3,67 g entsprochen hätte. Zu der Zeit wurde eine Tournaose auch mit 24 Hellern gerechnet, wir haben also zum einen eine deutliche Münzverschlechterung, gleichzeitig aber auch einen Hinweis darauf, das der Heller recht wertstabil gewesen zu sein scheint.
Die Quellenlage zum Heller ist leider etwas schlechter. Immerhin haben wir auch hier das Ergebnis einer offiziellen Probationen in den Jahren 1452 und 1471, die einen Feinsilbergehalt von 0,128 gramm ergibt. Das tatsächliche Gewicht des Hellers können wir nur von erhaltenen Münzen schätzen, wobei hier ein Gewichtsverlust zu beachten ist. Aber ein Gewicht von 0,3 bis 0,4 gramm scheint realistisch.
Der Feingehalt des Goldguldens ändert sich ebenfalls recht stark um 1475 liegt er zwischen 19 und 19,5 Karat (79 und 81,25%). Bei einem Gewicht von etwa 3,5 gramm ergäbe das einen Feingehalt von etwa 2,8 gramm Gold, was auch den damals angestrebten Werten entspricht.
1477 gab es interessanterweise zwei Anweisungen an die kölner Münzmeister den rheinischen Gulden betreffend. Einmal die offizielle Anweisung 103 Stück auf 1½ Mark zu 19 Karat Feingold auszubringen; also 2,696g je Goldgulden, dann die Interne 104 Stück auf 1½ Mark zu 18 Karat 10 Grän Feingold zu schlagen; also 2,647g je Goldgulden und damit deutlich weniger als die 3,68 gramm die im 14. Jahrhundert einmal veranschlagt wurden.

Für Frankfurt haben wir es mit den Münzen aus zwei getrennten Prägeorten zu tun. Einmal der königlichen Münze die den Reichsgulden, auch Apfelgulden geschlagen hat, der trotz anderslautender Bereicht im Grunde exakt dem rheinischen Gulden entsprach. Daneben gab es aber auch die Frankfurter Münze, die seit 1428 eigene Silbermünzen schlug.
Die Umrechnung dieser üblichen Münzen lautete wie folgt:

1 Gulden = 12 Tournosen = 36 Englische = 216 Heller
1 Tournose = 3 Englische = 18 Heller
1 Englischer = 6 Heller

Wie oben schon erwähnt ist die Umrechnung 1 Gulden = 216 Heller im ganzen Reich üblich gewesen, das heißt aber nicht, dass alle regionalen Währungen das so gehalten hätten. Im Gegenteil sind die einzelnen Währungen sehr unterschiedlich. Frankfurt als Messestandort war da eher prägend für die Rechenwährung.

Nur ein paar Beispiele:

Köln und Rheinischer Münzverein:
1 Rheinischer Gulden = 16 Schilling = 24 Albus = 192 Pfennig = 288 Heller
Lübeck und wendischer Münzverein:
1/2 Lübecker Gulden = 1 Lübbesche Mark = 16 Schilling = 42 Witten = 96 Blaffert = 192 Pfennig
Nürnberg und Franken:
1 Gulden = 20 Schillinge = 120 Pfennige = 240 Heller

Frankfurter Heller aus dem Privatbesitz eines Mitgliedes von Helenopolis – Frankfurt 1475

Literatur:

Dirlmeier, Ulf:
Untersuchungen zu Einkommensverhältnissen und Lebenshaltungskosten in oberdeutschen Städten des Spätmittelalters, Heidelberg 1978
Joseph, Paul:
Die Münzen von Frankfurt am Main, Nachdruck der Ausgabe von 1896, Einbeck 2016
Pies, Eike: Löhne und Preise von 1300 bis 2000, Wuppertal 2014
Rittmann, Herbert:
Deutsche Münz- und Geldgeschichte der Neuzeit bis 1914, Solingen 2003
Rottmann, Michael:
Die Frankfurter Messen im Mittelalter, Stuttgart, 1998
Weiss, Hildegard:
Lebenshaltung und Vermögensbildung des mittleren Bürgertums, München 1980

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