Frankfurter Büchsenschütze

Frankfurter Büchsenschütze um 1475, mit Stangenbüchse aus Bronze und dem Rock des Frankfurter Aufgebotes nach Neuss.

Frankfurter Büchsenschütze um 1475

Frankfurter Bürger unter Waffen

Wie viele andere freie Städte im Heiligen Römischen Reich, versuchte auch Frankfurt überregional Einfluss zu gewinnen. Immer wieder wurde es dabei in Fehden und Auseinandersetzungen verwickelt. Alleine zwischen 1381 und 1425 war Frankfurt in nicht weniger als 229 Fehden verwickelt. Hierfür und für die Stadtverteidigung begann man bereits früh damit, ein beachtliches und modernes Waffenarsenal zusammenzutragen, vor allem Schußwaffen wie die Armbrust, aber bemerkenswert früh auch Feuerwaffen, die im 13. Jahrhundert aufgekommen waren. Neben großen Geschützen wie der Kanone, die bei der Belagerung der Burg Tannenberg 1399 eingesetzt wurde und in der Lage war, Kugeln mit einem Durchmesser von 50 cm und einem Gewicht von 170 Kg zu verschießen, wurden vor allem Handbüchsen (wahlweise auch als Handrohr, Faustrohr oder Stangenbüchse bezeichnet) eingesetzt.

Das Original wurde 1871 in Schwarzort (pol. Juodkrantė) auf der kurischen Nehrung im heutigen Litauen gefunden. Länge: 445 mm, Kaliber: 17 mm, Gewicht: 2,58 kg. Die Stange ist eine Rekonstruktion des 19. Jahrhunderts und war vermutlich länger. Heute liegt die Büchse imMuzeum Wojska Polskiego in Warschau.

Das Original wurde 1871 in Schwarzort (pol. Juodkrantė) auf der kurischen Nehrung im heutigen Litauen gefunden. Länge: 445 mm, Kaliber: 17 mm, Gewicht: 2,58 kg. Die Stange ist eine Rekonstruktion des 19. Jahrhunderts und war vermutlich länger. Heute liegt die Büchse imMuzeum Wojska Polskiego in Warschau.

In dieser Darstellung versuchen wir, einen Teilnehmer des Zuges zum Entsatz nach Neuss zum Leben zu erwecken. Die Stadt am Rhein wurde seit 1474 von Karl dem Kühnen, dem Herzog von Burgund belagert und Kaiser Freidrich III. rief Landesfürsten und Reichsstädte nach Köln, um ein Entsatzheer zu bilden, das Neuss 1475 auch tatsächlich befreite. Frankfurt tat sich mit seinem Aufgebot von insgesamt über 500 Bürgern und Söldner mit seiner Ausrüstung hervor.

 

Die Kleidung

Grundsätzlich waren die Teilnehmer der städtischen Aufgebote nicht im modernen Sinn uniformiert. Sie trugen im Grunde die gleiche Kleidung wie im Alltag, also Hosen und Wämser wie man sie auf zahllosen Bildquellen finden kann. Allerdings findet man immer wieder Versuche, die Aufgebote durch ihre Kleidung kenntlich zu machen und so gibt es folgende Anweisung für die Ausstattung der Fußknechte:
„[…] die kleydunge wirt syn gantz rot reisigen, richtern, portenern und fuszknechten, doch iglichem Duche nach synem Werde vnd uff dem lingten arme zwo sparren eyner brun, der ander wysz von ein ander gescheiden, damit das rode sich in der mitte selbs usszeuge.“
„[…] die Kleidung der Reisigen, Richter, Wächter und Fußknechte wird ganz rot sein, doch jedem ein Stoff gemäß seiner Würde und auf dem linken Arm zwei Winkel, der eine braun, der andere weiß [und diese] im Abstand von einander [angebracht] damit sich das rote in der Mitte zeigt.“ (Regest vom 13.4.1475) Die Winkel auf dem Oberarm, bei denen man heute an Rangabzeichen denkt, sind also das Erkennungszeichen des Frankfurter Aufgebots.
Ebenso findet sich eine Ausgabe von 172 „Stück Tuch“ an das Aufgebot, aus dem besagte Kleidung gemacht wird. Vermutlich bezieht sich das auf den Rock, also die Jacke, die in süddeutschen Quellen auch als „Schecke“ auftaucht.
Zudem findet sich in den Ratsakten der Stadt in einem Dokument, das sich mit der Entsendung von Reisigen und Fußknechten nach “Nyderlandt” befasst, folgende Angabe:  „Jeder Knecht soll 1 fl. rh. „zu einem Rock““ erhalten, zudem werden zweifarbige Gugeln ausgegeben: “[…] und darzu ein Kogel geben von zwey Farben […]“. Bei dieser Kogel handelt es sich um eine überziehbare Kapuze, die in der Literatur üblicherweise als Gugel auftaucht. Wir haben es hier also mit einem frühen Versuch zu tun, eine einheitliche Uniform zumindest innerhalb des Frankfurter Aufgebotes zu schaffen. Da die Teilnehmer, wie damals nicht unüblich, den Stoff ausgehändigt bekamen und für die Herstellung des Rocks und der Kogel selbst verantwortlich waren, dürfte das Bild immer noch recht heterogen gewesen sein.

Frankfurter Büchsenschütze um 1475 mit Schutzwänden for eine Burgruine

Frankfurter Büchsenschütze um 1475 bei der Belagerung einer Burg

Die Hantbusse

Die älteste erhaltene Waffe dieser Art ist bezeichnenderweise in den Ruinen ebendieser Burg Tannenberg gefunden worden, die 1399 von den Frankfurtern sturmreif geschossen worde war und gibt einen guten Eindruck vom Aussehen einer solchen Waffe Anfang des 15. Jahrhunderts.
Wegen des Einfalls der Hussiten im frühen 15. Jahrhundert intensivierte man in vielen Städte diese Rüstung und tauschte zunehmen die Armbrust gegen Handbüchsen aus. Obwohl in Frankfurt mehrere Hersteller von Kanonen und Handbüchsen dokumentiert sind, bestellte der Rat 1430 in Nürnberg 8 Handrohre und offenbar nach eindringlicher Prüfung 1431 noch 403 weitere „Hantbussen“. Offenbar versuchte der Rat der Stadt, alle wehrfähigen Bürger, die zu Fuß kämpften mit modernen Handbüchsen auszurüsten. Hierfür wurde sogar eine Bürgerzählung durchgeführt und die Anzahl der wehrfähigen Männer ermittelt, die dann duch eine Sonderabgabe von 12 Schilling die neuen Büchsen finanzieren mussten.

Insgesamt wird die Anzahl solcher Handbüchsen in Frankfurt im 15. Jahrhundert auf 2000 Stück geschätzt und die 1431 gekauften Büchsen wurden vermutlich mindestens bis 1488 verwendet.

Leider ist die genaue Form dieser Handbüchsen nicht mehr zu ermitteln, eine Rekonstruktion von Rathgen aus den 1920er Jahrne erscheint uns recht frei interpretiert. Worin wir mit dem Autor aber übereinstimmen ist die konstruktive Verwandschaft mit der oben angeführten Tannenbergbüchse, und dass das Material nach den erhaltenen Unterlagen des Rates zweifelsfrei eine Gelbgusslegierung war. Unter den erhaltenen Büchsen dieser Zeit gibt es leider nicht viele Stücke, die als Anhaltspunkt herangezogen werden können. Alle eisernen Büchsen scheiden ebenso aus wie die vielen Hakenbüchsen, die zwar grundsätzlich einem Handrohr ähnlich sind, aber in den Quellen anders benannt werden.
Glücklicherweise wurde 1871 in Schwarzort (pol. Juodkrantė) auf der kurischen Nehrung im heutigen Litauen eine solche Büchse aus Bronze gefunden, die in ihrem Gewicht dem in den Rechnungen angegebenen bemerkenswert gleicht und mit der Tannenbergbüchse nah verwandt, aber moderner ist. Diese Büchse, die für uns die Frankfurter Bürgerbüchse ersetzt, ist ohne Stange 445 mm lang, wiegt 2,58 Kg und hat ein Kaliber von 17 mm.

Die Suche nach einem passendem Replikat gestaltete sich zunächst recht schwierig. Wenn man überhaupt eine solche Büchse auf dem Markt findet, sind es meistens viel einfachere Nachbildungen z.B. der Tannenberg- oder der Taborbüchse. Schließlich fanden wir einen befreundeten Darsteller, der bereits Handbüchsen und auch kleinere Geschütze gefertigt hatte, der Interesse bekundete, eine Kleinserie aufzulegen. Geschichtsfenster lieferte Bilder und Daten des Originals, die kongenial umgesetzt wurden und dieses einzigartige Replikat ermöglichten.
Aus Gründen der Sicherheit besteht die Nachbildung aus gefräßter Bronze, ist ansonsten aber der Vorlage optisch sehr ähnlich. Selbst die Gußlunker der gegossenen Vorlage wurden nachträglich eingefräßt und machen die Illusion perfekt. Die Büchse verfügt sowohl über einen scharfen als auch einen Böllerbeschuss.

Der Ladevorgang

Die Frankfurter Bürgerbüchse war, wie nahezu alle frühen Handfeuerwaffen, ein Vorderlader. Kugel und Pulver werden also durch die Mündung eingebracht. Aus Zeugbüchern wie z.B. dem Kriegsbuch des Ludwig von Eyb zum Hartenstein kennen wir die Ausrüstung eines Büchsenschützen über die Waffe hinaus. So gab es kleine gedrechselte Holzdosen, mit denen abgemessene Pulverladungen transportiert wurden, Kugelbeutel, Pulverhörner, Räumnadeln für das Zündloch und einiges mehr.
Den ganzen Ladevorgang wollen wir hier wiedergeben:

Aus einer kleinen gedrechselten Holzdose wird eine abgemessene Menge an Pulver, in diesem Fall etwa 12 g in den Lauf geschüttet.

Aus einer kleinen gedrechselten Holzdose wird eine abgemessene Menge an Pulver, in diesem Fall etwa 12 g, in den Lauf geschüttet.

Nachdem ein Stück Stoff, das sogenannte Schußpflaster und die Kugel aus Blei eingebracht wurden, stopft der Schütze die ganze Ladung mit dem Ladestock fest. Luft in der Ladung würde die Wirkung deutlich abschwächen.

Nachdem ein Stück Stoff, das sogenannte Schusspflaster und die Kugel aus Blei eingebracht wurden, stopft der Schütze die ganze Ladung mit dem Ladestock fest. Luft in der Ladung würde die Wirkung deutlich abschwächen.

Aus einem kleinen Pulverhorn wird nun Zündkraut, fein gemahlenes Schießpulver auf die Pfanne gegeben. Der drehbare Deckel wird danach gechlossen und erst unmittelbar vor dem Schuß wieder geöffnet. Im Gegensatz zu den früheren offenen Zündpfannen ein großer Fortschritt, da die Waffe viel besser zu handhaben ist.

Aus einem kleinen Pulverhorn wird nun Zündkraut, fein gemahlenes Schießpulver, auf die Pfanne gegeben. Der drehbare Deckel wird danach gechlossen und erst unmittelbar vor dem Schuss wieder geöffnet. Im Gegensatz zu den früheren offenen Zündpfannen ein großer Fortschritt, da die Waffe viel besser zu handhaben ist.

Die Waffe wird angelegt, in diesem Fall unter dem Arm. Es gibt auch Abbildungen auf denen auf der Schulter angelegt wird. Mittels eines Luntenstocks wird die glühende Lunte auf die Pfanne gelegt und die Ladung wird gezündet.

Die Waffe wird angelegt, in diesem Fall unter dem Arm. Es gibt auch Abbildungen, auf denen auf der Schulter angelegt wird. Mittels eines Luntenstocks wird die glühende Lunte auf die Pfanne gelegt und die Ladung wird gezündet.

Der Schuß geht los und ein Feuerstrahl und eine Rauchwolke schießen aus der Mündung

Der Schuss erzeugt einen recht beeindruckenden Feuerstrahl und eine Rauchwolke. Der Rückstoß ist spürbar, aber vergleichsweise gering. Foto von Stefan Celba

 

Gebhard, Florian: Der Weit-berühmten freyen reichs-wahl-und handels-stadt Franckfurt am Mayn Chronica (1734)

Nusser, Alexandra: Der Neusser Krieg 1474/75 aus der Sicht des Frankfurter Rates und seiner Gedanken in: Archiv für Frankfurter Geschichte und Kunst Bd. 68 (2002) S. 11-34

Orth, Elsbet : Die Fehden der Reichsstadt Frankfurt am Main im Spätmittelalter. Fehderecht und Fehdepraxis im 14. und 15. Jahrhundert. Franz Steiner, Stuttgart 1973 (Frankfurter Historische Abhandlungen 6), bes. S. 165.

Rathgen, Bernard: Das Geschütz im Mittelalter (1928) S. 68 ff

Romeiss, Martin: Die Wehrverfassung der Reichsstadt Frankfurt a. M. im Mittelalter. In: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst. Fünfte Folge, Zweiter Band, Heft 41, Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1953

Universitätsbibliothek Erlangen, H62/MS.B. 26, Ludwig von Eyb zum Hartenstein: Kriegsbuch und Bellifortis und Feuerwerkbuch

Wolfegger Hausbuch, ohne Signatur, um 1475

Universitätsbilbiothek Frankfurt am Main, Ms. germ. qu. 12, Hans Dirmstein: Die sieben weisen Meister.

Weitere Informationen zu frühen Feuerwaffen finden Sie auf: Bummsbrigade Hamborch

Es sind aus der Kleinserie noch Handbüchsen erhältlich. Bei Interesse bitte melden, wir vermitteln dann gerne den Kontakt.

Wenn nicht anders angegeben, sind alle Fotos auf dieser Seite von Andreas Vollborn-Rahn, einem befreundeten Darsteller vor der Kulisse der Ruine Brandenburg aufgenommen worden.

Heerzug aus dem sog. Wolfegger Hausbuch um 1474

Heerzug aus dem sog. Wolfegger Hausbuch um 1475. Vermutlich handelt es sich um das Nassauer Aufgebot nach Neuss.

 

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