Buchempfehlung: Osprey Publishing

November 14th, 2017

Schlacht
Zu unserer Anfangszeit waren die Bücher von Osprey Publishing eine der wenigen Möglichkeiten an Bildquellen oder Informationen zu Sachkultur und Kleidung zu kommen. Das eine der Gründerväter der historischen Darstellung des Spätmittelalters, Gerry Embleton, viele dieser Bücher illustrierte, war dann noch besonders reizvoll, konnte man so doch an den Erkenntnissen der Company of St. George partizipieren.

Heute muss man sagen, dass bei den Büchern durchaus Licht und Schatten zu finden ist. Einige Bücher sind immer noch überaus hilfreich, andere sind schlicht überhohlt und unbrauchbar.

Statt der Vorstellung eines Buches, hier daher die Bände von Osprey publishing, die wirklich empfehlenswert sind.
Übrigens möchten wir ausdrücklich vor den deutschen Übersetzungen des Brandenburgischen Verlagshauses warnen. Zwar bekommt man hier Doppelbände für recht wenig Geld, die Übersetzung ist aber derart schlampig, dass man bei vielen Fachbegriffen schlicht raten muss was gemeint sein könnte und der Sinn ganzer Sätze verloren geht.

Der jeweilige Titel ist der, wie immer kommerzielle Link auf Amazon, wobei wir jedem nur raten können auch Plattformen wie ZVAB und Booklooker zu nutzen. Gerade diese Bände findet man dort oft günstig.

Die Men-at-arms Serie ist eine der ältesten bei Osprey und wendet sich an den generell militärhistorisch Interessierten. 

Cover

German Medieval Armies 1300-1550 von Christopher Gravett, Bilder von Angus McBride, 48 Seiten, ist dementsprechen eher weit gefasst, bringt aber neben Besonderheiten der deutschen Kriegsführung und Beschreibung von Schlachten wie immer Bildtafeln, wobei Angus McBride ein guter Künstler, aber historisch eher weniger genau ist.

Forces of the Hanseatic League von David Nicolle, Bilder von Gerry & Sam Embleton, 48 Seiten, umfasst auch 200 Jahre konzentriert sich dabei aber auf Norddeutschland und den Seekrieg. Die Bildtafeln sind brauchbarer als beim vorigen Band, auch wenn einige Interpretationen eher interessant sind.

 

Die Campaign Serie behandelt jeweils eine Schlacht oder einen Kriegszug genauer und wendet sich teilweise an Tabletop-Strategie-Spieler.

coverThe Fall of English France 1449-53, David Nicolle, Bilder von Graham Turner, 96 Seiten, behandelt die Endphase des 100jährigen Krieges. Während Schlachten wie die von Crecy und Agincourt oder auch die Ereignisse um Johanna von Orleans recht bekannt sind, sind die nachfolgenden Entwicklungen eher wenigen geläufig. Das Buch stellt beide Seiten ausführlich vor und zeigt detaillierte Karten der Schlachtfelder. Ein heimliches Highlight sind hier die doppelseitigen Bilder von Graham Turner der deutlich unser Liebling unter den Zeichners der Verlages sind.

Bosworth 1485: Last Charge of the Plantagenets, Christopher Cravett, Bilder von Graham Turner, 100 Seiten. Die „letzte Schlacht der Rosenkriege“ (auch wenn Stoke eigentlich die letzte war) und der Untergang des Hauses Plantagenet ist schon für sich Stoff für Legenden. Dieses Buch ist aber mehr an der wirklichen Geschichte interessiert, die ebenso spannend und tragisch ist. Neben den guten Informationen zur englischen Kriegstechnik und den gewohnt guten Karten, überzeugen auch hier die Bilder von Graham Turner.

Die Warrior-Serie richtet sich schließlich an historische Darsteller und Reenacter und bietet neben militärhistorischen Informationen auch viel zu Sachkultur und Alltagsleben.

Teutonic Knight 1190-1561, David Nicolle, Bilder von Graham Turner, 64 Seiten. Der Deutsche Orden und die Geschichte der osteuropäischen Kreuzzüge steht im Mittelpunkt dieses Bandes, der aber auch einiges an Quellen für das Spätmittelalter in Deutschland bietet. Leider ist die Zeitspanne sehr groß und die Bildtafeln noch recht unkonkret.

Condottiere 1300-1500, David Nicolle, Bilder von Graham Turner, 64 Seiten, widmet sich den berühmten italienischen Sölderführern und ihren abenteuerlichen Lebensläufen. Gerade im Vergleich zu Nordeuropa ein interessantes Buch, das aber ein wenig bei den Bildquellen schwächelt. Auch die Tafeln von Graham Turner sind optisch schön, aber weniger detailliert als man dies gewohnt ist.

CoverEnglish medieval Knight 1400-1500, Christopher Gravett, Bilder von Graham Turner, 64 Seiten ist mein persönlicher Liebling. Nicht weil mich die englischen Ritter so wahnsinnig interessieren, sondern weil dieses Werk schlicht für unsere Zeit das ergiebigste ist. Von Originalen Rüstungen über Explosionszeichnungen bis zu selten gesehenen Bildquellen ist das Buch ein Pflichtkauf für jeden den dieses Thema interessiert. Insbesondere der Illustrator Graham Turner läuft in diesem Band zur Höchstform auf, was aber wenig wundert, wenn man weiß, das er selbst in einer Rüstung der Zeit an Turnieren teilnimmt.
Ebenso empfehlenswert sind übrigens auch die beiden Vorgängerbände, die das 13. Jahrhundert und 14. Jahrhundert behandeln.

Die Weapon-Serie behandelt schließlich Waffengattungen.

Medieval Handgonnes, Sean McLachlan, Bilder von Gerry und Sam Embleton, 80 Seiten. Ein gutes Einführungswerk ins Feld der historischen Handfeuerwaffen. Die Bilder sind recht skizzenhaft, dafür sind die Bildquellen gut gewählt und das abfeuern zweiter verschiedener Typen von Feuerwaffen wird Schritt für Schritt durch Fotos historischer Darsteller demonstiert.

Buchempfehlung: Kleidung und Waffen der Spätgotik

November 13th, 2017

Leider ist es sehr schwierig gute Literatur für den Einstieg in die Waffen- und Kostümkunde zu finden. Entweder sind die empfehlenswerten Werke sehr spezialisiert und meist teuer, oder behandeln das Thema zu oberflächlich und ungenau.
Die Reihe Kleidung und Waffen der Spätgotik, von Ulrich Lehnart, selbst historischer Darsteller und Historiker, versucht diese Lücke zu schließen und auch 12 Jahre nach erscheinen des letzten Bandes steht sie damit recht allein auf weiter Flur.
Da er unserer Zeitstellung am nächsten kommt, wollen wir hier den dritten Band behandeln der die Kleidung und Mode der Jahre 1420 bis 1480 behandelt. Die Qualität der anderen Bände ist aber mit diesem durchaus vergleichbar.

Cover Kleidung und Waffen des Spätmittelalters III

Alle Bände weisen je zwei Teile auf, Teil 1 mit der Kleidung, Teil 2 mit Waffen und Rüstungen. 
Dazu gibt es jeweils einige Farbtafeln mit sehr brauchbaren Beispielen. 

Teil eins des vorliegenden Bandes teilt sich noch einmal in die Herren und Damenmode. Erstere wird abermals in die Zeitabschnitte 1420 bis 1450 und 1450 bis 1480 aufgeteilt, angesichts der großen Veränderung in dieser Zeit eine sehr sinnvolle Herangehensweise. Ebenso die Aufzählung von innen nach Außen von der Unterwäsche über die Oberbekleidung bis zu den Accerssoirs. Bei den Damen sogar um eine kurze Stoffkunde ergänzt.
Hierbei gelingt es Lehnart trotz des begrenzten Platzes auch noch kurze Ausblicke in die wichtigsten europäischen Modeströmungen zu werfen und so die burgundische und die süddeutsche Mode zu vergleichen, wenngleich der letztere Begriff aus heutiger Sicht unglücklich gewählt ist.

Überhaupt merkt man dem Buch das Alter ein wenig an. Die Leistung Lehnarts liegt mit seinen Büchern neben der prägnanten Schreibweise vor allem darin damals unter historischen Darstellern nahezu unbekannte Quellen wie z.B. die Munderkinger Passion zu erschließen und bekannt zu machen. Inzwischen sind aber solche Unmengen an Vorlagen per Internet zugänglich, dass zwangsläufig auch der Forschungsstand ein anderer ist. 
Dennoch ist der allergrößte Teil der Aussagen noch immer korrekt und dem praktischen Nutzen für den interessieren Laien tut der Umstand auch keinen Abbruch. 
Zumal Lehnart sein Buch mit einer ganzen Reihe an Bildtafeln und schematischen Grundschnitten versieht.

Der zweite Teil über Rüstungen kann aber auch heute noch als Grundlage bedingungslos empfohlen werden.
Nach einer Einleitung über das Plattnerhandwerk und einem lesenswerten Artikel über Kompositharnische in der musealen Darstellung, entwirft der Autor eine Stilkunde die die Rüstungen der Zeit von 1420 bis 1480 in einen Italienschen Stil, einen Exportstil mit jeweils englischen, französischen und deutschen Eigenheiten und einen deutschen Stil unterteilt. Natürlich kann man diese Stile nicht trennungsscharf betrachten und es gibt etliche Unschäften, stilistisch passen diese Unterteilungen aber gar nicht schlecht auf die erhaltenen Stücke. Man muss sich nur von der Idee trennen, dass der Name des Stils unbedingt auf den Herstellungsort übertragbar sei. So kann ein „italienischer Exportharnisch“ durchaus mitten im Reich geschlagen worden sein, er folgt stilistisch dennoch besagtem Exportstil der von italienischen Plattnern für den deutschen Markt entworfen wurde.

Der ganze Rüstungsteil, der auch exotischere Stücke wie Brigantinen und Textilpanzer vorstellt ist ausgesprochen gut, mit Fotografien von Originalen und hochwertigen Reproduktionen illustriert und da bis heute vergleichbare Einführungen in die Rüstungskunde fehlen, nimmt nach wie vor dieses Buch den Platz als empfehlenswerter Leitfaden ein.

Das abschließende Kapitel über Waffen ist eine gute Ergänzung, wenngleich dieses Thema in so kleinem Rahmen kaum ausreichend behandelt werden kann.

Kleidung und Waffen im Spätmittelalter III kann also nach wie vor jedem Interessierten an der Mode und Waffentechnologie des 15. Jahrhunderts, empfohlen werden. 
Leider ist der erste Band der Reihe kaum noch zu bekommen, auch antiquarisch. Band 2 und 3 sind aber problemlos erhältlich, ebenso der Vorgängerband „Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik“.

Leider sind die Bände kaum über die üblichen Anbieter wie ZVAB oder Booklooker zu bekommen. Daher an dieser Stelle nur der, wie immer kommerzielle Link zu Amazon.

 

Buchempfehlung: Das Wolfegger Hausbuch

November 5th, 2017

Heute widmen wir uns der wahrscheinlich wichtigsten Bildquelle für unsere Darstellung, dem Wolfegger Hausbuch oft auch einfach als „Mittelalterliches Hausbuch“ bezeichnet. Im Gegensatz zu den bisherigen Buchvorstellungen geht es damit um ein historisches Buch, das aber durch mehrere Bücher die wir im folgenden vorstellen werden erschlossen werden kann.

Wappen

Das Hausbuch, benannt nach seinem langjährigen Aufbewahrungsort Schloss Wolfegg in Oberschwaben, ist schon für sich ein eigentümliches Buch. Es handelt sich weniger um ein llustriertes Buch, als vielmehr um ein Kompendium praktischen Wissens, in dem die Abbildungen eigene Kapitel bilden.
Entstanden ab etwa 1470 hat ein unbekannter in diesem Buch offenbar alles angesammelt, was er für praktisch nützlich hielt. Von Gedächtniskunst über Astrologie, höfische Kultur, Militär und Hüttenwesen bis zu einer ganzen Sammlung verschiedenster Rezepte scheint dabei das Interesse des Sammlers gereicht zu haben. Da die Zutaten der Rezepte oft hebräisch verschlüsselt sind, war das Buch wohl für den privaten Gebrauch vorgesehen.

 

 

Planetenkinder Hausbuch

Zu einem wahren Juwel wird das Buch aber über seine Bilder. Zwei Bildzyklen, zwei ausklappare ABbildungen und eine ganze Reihe eher technischer Zeichnungen sind in dem Werk zu finden, die von mindestens drei Künstlern gestaltet wurden. Der berühmteste ist der Künstler der nur unter dem Notnamen „Meister des Amsterdamer Kabinetts“ oder eben „Meister des Hausbuchs“ bekannt ist. Bei ihm handelt es sich um einen der herausragenden Grafiker vor Dürer und die Technik der Kaltnadelradierung wird ihm ebenso zugeschrieben wie das erste deutsche Doppelportrait.

Aus seiner Hand ist ein Zyklus von Planetenkinderbildern im Hausbuch zu finden, die im Grunde die antiken Götter als Patroner verschiedener Künste und Gewerke zeigt. Diese überaus detaillierten Bilder sind eine wahre Fundgrube für die Sachkultur des späten 15. Jahrhunderts und zeugen von der Meisterschaft ihres Erschaffers.

Kaum weniger Kunstvoll sind die Werke des zweiten prominenten Künstlers, wobei der „Meister der Genreszenen im Hausbuch“ noch mysteriöser ist als der vorgenannte. Zuerst trägt er einen Zyklus vermutlich allegorischer Szenen aus dem höfischen Leben bei. Turnierszenen, lustwandelnde Paare, Jagdszenen, auch dies eine reicher Bilderbogen.
Noch spannender sind aber die Darstellung eines Heerzugs und eines Heerlagers, die auf ausklappbaren Tafel eingefügt sind, wodurch die Szenen geradezu monumental wirken.

Wasserburg Hausbuch

Da das Buch sich in Privatbesitz befindet, ist es der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nachdem es 2008, für angeblich 20 Millionen € verkauft wurde ist nicht einmal mehr sein Aufenthaltsort sicher. Allerdings hat der Käufer sehr gute Scans anfertigen lassen und z.B. bei Wikipedia finden sich alle Abbildungen in herausragender Qualität. Diese haben wir hier auch zur Illustration verwendet.

Heerzug aus dem Hausbuch

Wer aber tiefer in die Thematik einsteigen möchte, hat eine ganze Reihe an Möglichkeiten.

„Venus und Mars (München 1997) aus der Feder eines Mitglieds der ehemaligen Besitzerfamilie der Grafen;von Waldegg-Wolfsburg, zeigt nicht nur sämtliche Abbildungen in sehr guter Qualität, sondern erläutert auch den kompletten Inhalt. Leider hat für eine Transskription der Rezepte der Platz gefehlt. Dennoch ein sehr gutes Werk, das gerade in Bezug auf die Abbildungen alle Wünsche erfüllt

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„Vom Leben im späten Mittelalter“ (Stuttgart 1985) erscheinen anlässlich einer Ausstellung über den Hausbuchmeister, ist weniger ein Werk über das Hausbuch sondern vielmehr über seinen wichtigsten Künstler und dessen Umfeld. Auch wenn hier alle Abbildungen aus dem Hausbuch zu finden sind, wenngleich in teilweise recht kleinem Format, zeigt der Katalog doch weit mehr. Neben einem großen Teil des bekannten Werkesinklusive Gemälde und Glasmalereien auch das von Künstlern aus dem direkten Umfeld wie Meister BXG. Somit ist der Katalog ein guter Einstieg in die spannende Thematik der frühen Grafik.

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Titelbild Meister um das mittelalterliche Hausbuch„Meister um das „Mittelalterliche Hausbuch“ (Mainz 1994) ist dagegen eine wissenschaftliche Monographie die sich vor allem mit der Frage nach den Künstlern hinter den Bildern beschäftigt. Die These des Autors mit mindestens drei Künstlern sind wir auch in diesem Text gefolgt. 
Die Auswahl der Bilder ist nicht so üppig wie im vorangegangenen Band, aber immer noch reichhaltig und sehr detailliert behandelt. Leider kein ganz billiges Buch.

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Zuletzt noch zwei Reproduktionen des Hausbuchs, zuerst ein Nachdruck einer Reproduktion von 1887, das den kompletten Text transkribiert bietet und sämtliche Abbildungen. Diese allerdings nach der Vorlage nachgestochen und in schwarz weiß. Da man das diese Werk mit ein wenig Glück aber auch unter 30 € bekommen kann, lohnt es sich ab und an danach zu suchen. Mittelalterliches Hausbuch (Hildesheim 1986)

Erfreulicherweise ist diese Version komplett auf Wikisource einsehbar

Rein der Vollständigkeit halber sei noch das Faksimile erwähnt (München 1997), das wirklich das ganze Buch reproduziert und in seinem Zusammenhang zeigt. Normalerweise zahlt man hier aber jenseits der 500 €. Wir hatten nach lange Suche Glück und haben unsere Ausgabe erheblich günstiger finden können.

Hinweis: Die Links auf Amazon sind wie immer gewerblich und Geschichtsfenster verdient daran.

Buchvorstellung: Die Stadt im späten Mittelalter

November 3rd, 2017

Das heutige Buch ist erstaunlicherweise unserer Aufmerksamkeit sehr lange entgangen und erst vor kurzem Teil unserer Bibliothek geworden.
Der Autor Hartmut Boockmann, eine echte Koryphäe auf dem Gebiet der spätmittelalterlichen Stadtentwicklung unternimmt auf 350 Seiten und mit 521 Abbildungen den Versuch die Stadt des Spätmittelalters in Struktur und als soziales Gebilde sichtbar werden zu lassen. Seine Reise geht dabei von außen in die Stadt, erst wird das Umfeld behandelt, dann die Verteidigungsanlagen und schließlich unterstützt durch eine reiche Anzahl an Bildern das Stadtbild an sich. Häuser, öffentliche Bauten und der ganze öffentliche Lebensraum werden dabei überaus anschaulich rekonstruiert. 
Sodann könnte man glauben einen Beitrag von Geschichtsfenster zu lesen, wenn das innere der Häuser anhand von Bildquellen demonstriert wird. Den häuslichen Themen wie Tafelkultur, Hygiene, Handwerk und Gewerbe wird in mehreren Kapiteln ausführlich Raum gegönnt.
Städtische Strukturen und Religiosität leiten dann wieder vom privaten Lebensraum zu den sozialen Verknüpfungen über und trotz der recht kurzen Kapitel wird jedes dieser Themen durchaus weit gefasst behandelt wobei die Texte erfreulich klar auf den Punkt kommen.

Titelansicht von

Ein großes Lob muss man auch der Auswahl der Bildquellen aussprechen, denn diese sind nicht nur zahlreich, sie sind vor allem auch nicht dem Kanon der immer wiederkehrenden Bildquellen entnommen, sondern obwohl wir uns selbst einen guten Überblick über die Quellenlage bescheinigen würden, waren sicher ein drittel der Abbildungen gänzlich unbekannt.
Lediglich der Umstand, dass man der Bildqualität das Alter des Werkes anmerkt und die Abbildungen allesamt nur schwarz-weiß vorliegen, ist bedauerlich. Dafür sind die Quellen schon in den Bildunterschriften gut genannt, was eine weitere Recherche sehr angenehm macht.

Angenehm ist auch der Schreibsteil, denn Broockmann schriebt gelehrt über sein Fachgebiet, ohne aber den Leser völlig zu überfordern. Im Gegensatz zu etlichen anderen populärwissenschaftlichen Werken, respektiert er seine Leser aber und unterfordert ihn ebenso wenig. Derartige Bücher sind leider selten.

Insgesamt bildet das Buch geradezu einen Leitfaden für die Rekonstruktion mittelalterlichen Stadtlebens und vergleicht man das darin gezeichnete Bild mit jüngeren Fernsehproduktionen wird schmerzlich deutlich wie leicht es eigentlich wäre ein besseres Bild der Zeit zu zeichnen.
So aber sei das Buch jedem Interessierten an Herz geschlossen. Könnten wir aus unserer Bibliothek nur einen Koffer Bücher mitnehmen, dieses wäre sicher darunter.

Erfreulich ist auch der Preis, antiquarisch ist es zuverlässig zwischen 10 und 20 € erhältlich.
ZVAB
Booklooker

Der Amazonlink ist wie immer ein kommerzielle und Geschichtsfenster erhält bei einem Kauf einen kleinen Betrag 

Buchvorstellung: Stadt im Wandel

Oktober 30th, 2017

Nachdem letzte Woche ein beeindruckender Bildband vorgestellt wurde, der auch nicht ganz billig zu haben ist, heute wieder ein echtes Schnäppchen und gleichzeitig ein überaus umfangreiches Werk.

Stadt im Wandel, vierbändiger Ausstellungskatalog

Im Gegensatz zum Ausstellungskatalog „Spätmittelalter am Oberrhein“, der teilweise sehr hochpreisig gehandelt wird, ist der vierbändige Katalog der Landesausstellung Niedersachsen von 1985 zum Thema Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland von 1150 bis 1650 teilweise wirklich lächerlich preiswert zu bekommen.
Dabei ist der Umfang überaus beeindruckend. etwa 2600 Seiten nehmen sich die Autoren Zeit um in zwei Katalog- und zwei Aufsatzbänden die gesamte Bandbreite mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Stadtgeschichte auszubreiten. Die Sachkultur wird naturgemäß ein großer Rahmen eingeräumt, aber gerade die Aufsätze sind eine wahre Fundgrube an Themen rund um Stadtentwiclung, Kunst, Religion und Gemeinwesen.

Die Tatsache, dass viele der Objekte im Katalogteil sonst kaum bekannt sind, macht die Bücher natürlich umso wertvoller für eine ganze Reihe Interessensgebieten

Aktuell gibt es das Buch gebraucht in einer Preisspanne von unter 10 bis etwa 30 €. Angebote darüber findet man auch, aber das ist wenig realistisch. Die günstigsten Angebote gibt es momenentan bei den Gebrauchten Büchern auf Amazon.
Es gibt auch eine gewisse Verwechselungsgefahr mit dem gleichnamigen Kurzführer. 
ZVAB
Eurobuch

Wie immer ist der Link auf Amazon ein kommerzieller Link.

Buchvorstellung: Gotik: Bildkultur des Mittelalters 1140 – 1500

Oktober 22nd, 2017

Das heutige Buch ist nur schwer in Worte zu fassen, schon die nüchternen Daten benötigen Superlative.
48 x 36 cm groß, fast 12 cm dick und 7 Kg schwer, erinnert schon die Form an einen mittelalterlichen Folianten.
So kann man das Buch auch nicht einfach durchschmökern, man muss es auf einen Tisch legen und studieren.
Wenn es ein Buch gibt, das wir Leuten zeigen um ihnen zu erklären was uns an der Gotik so faziniert, dann dieses.

Gotik: Bildkultur des Mittelalters

Gotik: Bildkultur des Mittelalters von Rolf Toman ist nicht weniger als eine Werkschau der gesamten Gotik, über 300 Jahre europäische Kunstgeschichte destilliert auf 568 Seiten.

Der Autor nutzt die gewaltigen Maße hervorragend, indem er ganze Kirchenschiffe auf Doppelseiten zeigt und so die majestätischen dieser Bauten halbwegs erlebbar macht. Keines der brillanten Bilder würde auf einem Monitor oder auch in einem Buch kleineren Formats derartig wirken. Ganze flämische Belfriede, diese steingewordenen Ausdrücke von Bürgerstolz können hier gezeigt werden ohne das die Details verschwinden.
Die ganzen ersten 230 Seiten bieten daher einen sehr vollständigen Blick auf die großen Sakralbauten des späten Mittelalters, wobei aber auch städtische Prunkbauten eingeschlossen werden.

Im dann folgenden Kapitel über die höfische und ritterliche Welt kommen neben Burgen auch Fresken, abermals in gewaltigem Format, teilweise noch ausklappbar gestaltet, aber auch Möbel, Tapisserien und Buchmalereien hinzu.
die drei folgenden Kapitel widmen sich dann der sakralen Kunst, von Kirchenportalen, über Altäre und Plastiken bis zu Prunkgräbern entfaltet sich die ganze Pracht einer Epoche, nur um dann im letzten Kapitel noch um die neuen Medien wie Glasmalerei, Druckgraphik und Portraitmalerei erweitert zu werden.

Die Bilder, fast Ausnahmslos Neuaufnahmen durch den Kölner Fotographen Achim Bednorz, 
bilden eine wahren Bilderreigen, zumal keine Seite unbebildert bleibt. 
Die Aufteilung der Kapitel ist zudem sehr schickt gewählt, da sie den Leser vom monumentalen immer weiter in die Details führt und so den Blick schärft für die Kleinigkeiten, die es zu entdecken gibt. So gesehen ist das Buch auch eine hervorragende Schule für den historischen Blick.

Gebundene Ausgabe: 568 Seiten
Verlag: h.f.ullmann publishing; Auflage: 1. (15. September 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3848000563
ISBN-13: 978-3848000562

Wichtiger Hinweis, mit „Die Kunst der Gotik, Architektur, Skulptur, Malerei“ gibt es ein älteres Buch des Autors, mit sehr ähnlichem Einband und Titel, das aber deutlich kleinformatiger daher kommt und obwohl auch durchaus empfehlenswert, nicht die Klasse des hier vorgestellten Buches erreicht. Ein Blick auf das Format hilft beide auseinander zu halten.

Das Buch war bei Erscheinen preislich durchaus seinem Format angemessen. 199 € kostete das Werk. Inzwischen ist es durchaus um 50 € zu bekommen. Hier z.B. bei Booklooker oder ZVAB
Bei Amazon gibt es mit der „Blick ins Buch“-Funktion auch eine Möglichkeit einen Teil des Buches anzusehen, wenn gleich das Format dem Buch natürlich nicht gerecht wird.
Wie immer ist der Link auf Amazon ein kommerzieller Link.

Buchvorstellung: Kinderbücher

Oktober 20th, 2017

Ein Thema, das uns immer wieder unter den Nägeln brennt, ist die schier unfassbare Masse wirklich schlechter Bücher zum Thema Mittelalter für Kinder und Jugendliche. Das generische Kinderbuch zeigt einen Knappen samt Burg und Ritter, vollgestopft mit Klischees und dazu ein diffuses Mittelalter, in dem Kreuzzüge und Vollharnische gleichzeitig existieren.

Es gibt aber einige löbliche Ausnahmen, die wir hier vorstellen wollen. Bei den einzelnen Bücher steht jeweils der kommerzielle Amazon-Link, ebenso gut kann man die Bücher aber auch bei ZVAB, Booklooker oder Abebooks bestellen.

Fangen wir mit drei Büchern aus dem englischen Verlag Dorling Kindersley an. DIe Bücher laufen jetzt unter der Reihe „Memo – Wissen entdecken“ sind aber unveränderte Neuauflagen der Reihe „Sehen, Staunen, Wissen“.
Auch wenn die Cover schlimmes vermuten lassen, ist der Inhalt wirklich empfehlenswert, denn die kurzen Texte werden ausnahmslos mit Bildern historischer Gegenstände oder hochwertigen Replikaten illustriert und deren Auswahl ist wirklich gelungen. Dadurch sind sie auch eine gute Inspirationsquelle für historische Darsteller.

Es gibt drei Bücher zum Thema Mittelalter, nämlich:

Die nächsten beiden Bücher sind wirklich außergewöhnlich gute Bücher und beileibe nicht nur für Kinder interessant.
Ursprünglich in Spanien erschienen, wird die Geschichte je einer fiktiven norddeutschen Hansestadt
und einer italienschen Metropole erzählt und zwar indem die komplette doppelseitige Stadtansicht alle zwei Seiten zeitlich weiterspringt. Man kann durch hin- und herblättern wunderbar die Veränderungen nachverfolgen.
Auf den Seiten dazwischen werden Details wie einzelne Gebäude hervorgehoben.
So kann man die Entwicklung von der Steinzeit bis in die Moderne nachverfolgen und vor allem sehen wo die alten Reste das moderne Aussehen immer noch prägen.

Die Bücher werden zum Teil recht teuer angeboten. Realistische Angebote gehen aber bis etwa 10 €. Mit ein wenig Geduld bekommt man sie auch deutlich billiger.

Einen ähnlichen Ansatz, also eine Reise durch die Geschichte eines Ortes, verfolgen die folgenden Bücher von Dorling Kindersley. Nicht ganz so im großen Überblick wie bei „Hambeck“ und „Barmi“, dafür zeigt die nähere Perspektive aber die Komplexität der Lebenssituation der Menschen im einzelnen. Den Band „Die Geschichte eines Bauernhofes“ nutze ich immer noch ganz gerne um z.B. Schülern klar zu machen, das ein mittelalterlicher Bauernhof eben keine einsame Kate, sondern ein komplexer Großbetrieb war.

Der nächste Band stammt von Christopher Gravett, der auch schon etliche Bücher im Osprey-Verlag herausgebracht hat. Ich persönlich finde den Zeichenstil zwar gewöhnungsbedürftig, dafür sind die detaillierten Bilder der Rüstungen mitsamt Explosionszeichnungen eine wahre Fundgrube an Informationen, auch für Erwachsene.

Zuletzt noch ein Jugendbuch, das aus der Riege reich illustrierter Bücher herausfällt, dafür aber von einem wirklichen Spezialisten geschrieben wurde. Georges Duby ist einer der renommiertesten französischen Mediävisten und erklärt in diesem relativ kleinen Werk komplexe Zusammenhänge in einfacher jugendgerechter Sprache. Das Rittertum des Hochmittelalters in Nordfrankreich wird dabei ausgesprochen lebendig und selbst fortgeschrittene Kenner der Zeit werden dabei neue überraschende Sachverhalte entdecken.

Wenn einer Leserin oder einem Leser noch weitere gute Kinder- und Jugendbücher einfallen, bitte kurz in den Kommentaren erwähnen, die Liste kann gerne erweitert werden.

Buchvorstellung: Leben in der Gotik von Heinz Thiele

Oktober 19th, 2017

In der kleinen Auswahl an Werken, die uns auf dem Weg zum Projekt Geschichtsfenster maßgeblich beeinflusst haben direkt noch ein Kleinod, das leider kaum bekannt ist. Wir wurden auch erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit von Tobi Putzo vom Nürnberger Aufgebot auf diesen Schatz aufmerksam gemacht.
Aus dem Jahr 1948 stammend und sicher an vielen Punkten nicht mehr auf dem Stand der Forschung, dafür unfassbar umfangreich.

Auf über 650 Seiten werden Kunst, Literatur, Sitten und Gebräuche, Rittertum, Gerichtswesen, Religion und Wissenschaften behandelt. Dabei lässt der Autor erfreulich oft den Autoren historischer Quellen das Wort und illustriert das ganze mit einer großen Anzahl Bildern, meistens solchen die sonst kaum zu finden sind. Dankenswerterweise enthält das Buch dann auch noch ein sehr gutes Quellenverzeichnis.

Auch hier handelt es sich um ein Buch, dass mit ein wenig Glück zu einem Spottpreis erhältlich ist.
Es gibt allerdings noch zwei spätere Bücher mit gleichem Namen, aber von anderen Autoren und t nicht so empfehlenswert.

Amazon (Dies ist ein kommerzieller Link an dem Geschichtsfenster verdient)
Sollte das Buch vergriffen sein, einfach bei Amazon nochmal suchen, es gibt ein gutes Dutzend Einträge.
ZVAB
Booklooker

Leben in der Gotik
Heinz Thiele
Gebundene Ausgabe
Verlag: Kurt Desch (2006)

Man mag Amazon kritisch gegenüberstehen, aber gerade für gebrauchte Bücher ist es eine unschätzbare Fundgrube, die zudem kleinen Antiquariaten eine Platform bietet. Zudem erhält Geschichtsfenster einen kleinen Prozentsatz des Umsatzes, wenn über die hier geteilten Links eingekauft wird. Eine Möglichkeit Geschichtsfenster zu unterstützen, ohne das der eigene Geldbeutel belastet würde.

Buchvorstellung: Alltag im Spätmittelalter von Harry Kühnel

Oktober 19th, 2017

Den Anfang dieses Blogs macht eine Auswahl an Werken, die uns auf dem Weg zum Projekt Geschichtsfenster maßgeblich beeinflusst haben. Hier vielleicht das Buch, das am besten den Spagat, schafft zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Lesbarkeit. 

„Alltag im Spätmittelalter, herausgegeben von Harry Kühnel deckt eine enorme Breite an Themen ab und kann zudem mit einer enormen Menge an Bildquellen aufwarten. 
Die Themen reichen von den Problemen (und Lösungen) städtischer Gemeinschaften, also auch Hygiene, Nahrung, Normen und Sanktionen, über Kunstproduktion und -rezeption, bis zur Sachkultur von Kleidung bis zum Wohngebäude ist es wirklich schwer etwas zu finden, das die Autoren ausgelassen hätten.
Trotzdem gehen die Autoren dabei durchaus in die Tiefe und bieten eine ganze Menge Informationen.
Der Mitautor und Herausgeber, Harry Kühnel war Leiter des Instituts für Realienkunde in Krems an der Donau und somit einer der wenigen wirkliche Spezialisten für Sachkultur, jenseits der Archäologie, im deutschsprachigen Raum.

Ich sage häufiger scherzhaft, dass wenn ich etwas in anderen Büchern nicht finde, es das einfachste sei in diesem Buch nachzuschlagen.

Das beste aber ist, dass man das Buch für wenige Euro gebraucht bekommen kann. Es gibt zwei Ausgaben, die aber inhaltlich identisch sein dürften und gebraucht kann man das Werk bereits unter 10 € bekommen.

Amazon Die Styria-Ausgabe von 1986 (Dies ist ein kommerzieller Link an dem Geschichtsfenster verdient)
Amazon Die Weltbild-Ausgabe von 2006 (Dies ist ein kommerzieller Link an dem Geschichtsfenster verdient)
ZVAB (Ganz und gar unkommerzieller Link auf unsere liebste Plattform für gebrauchte Bücher)
Booklooker (Auch hier verdient Geschichtsfenster nichts)

Alltag im Spätmittelalter
Harry Kühnel
Gebundene Ausgabe
Verlag: Weltbild (2006)
ISBN-10: 3828905501
ISBN-13: 978-3828905504

Man mag Amazon kritisch gegenüberstehen, aber gerade für gebrauchte Bücher ist es eine unschätzbare Fundgrube, die zudem kleinen Antiquariaten eine Platform bietet. Zudem erhält Geschichtsfenster einen kleinen Prozentsatz des Umsatzes, wenn über die hier geteilten Links oder dieses Banner eingekauft wird. Eine Möglichkeit Geschichtsfenster zu unterstützen, ohne das der eigene Geldbeutel belastet würde.

 

Frankfurter Büchsenschütze

Oktober 8th, 2015

Frankfurter Bürger unter Waffen:

Brandenburg 1Wie viele andere freie Städte im heiligen römischen Reich, versuchte auch Frankfurt überregional Einfluss zu gewinnen. Immer wieder wurde es dabei in Fehden und Auseinandersetzungen verwickelt. Alleine zwischen 1381 und 1425 war Frankfurt in nicht weniger als 229 Fehden verwickelt. Hierfür und für die Stadtverteidigung begann man bereits früh damit, ein beachtliches und modernes Waffenarsenal zusammen zu tragen. Vor allem Schußwaffen wie die Armbrust aber bemerkenswert früh auch Feuerwaffen, die im 13. Jahrhundert aufgekommen waren. Neben Kanonen wie einem großen Geschütz das bei der Belagerung der Burg Tannenberg 1399 eingesetzt wurde und in der Lage war Kugeln mit einem Durchmesser von 50 cm und einem Gewicht von 170 Kg zu verschießen, wurden vor allem Handbüchsen (wahlweise auch als Handrohr, Faustrohr oder Stangenbüchse bezeichnet) eingesetzt.

In dieser Darstellung versuchen wir einen Teilnehmer des Zuges zum Entsatz nach Neuss zum Leben zu erwecken. Die Stadt am Rhein wurde seit 1474 von Karl dem Kühnen, dem Herzog von Burgund belagert und Kaiser Freidrich III. rief Landesfürsten und Reichsstädte nach Köln um ein Entsatzheer zu bilden, das Neuss 1475 auch tatsächlich befreite. Frankfurt tat sich mit seinem Aufgebot von insgesamt über 500 Bürgern und Söldner mit seiner Ausrüstung hervor.

Die Kleidung:

Grundsätzlich waren die Teilnehmer der städtischen Aufgebote nicht im modernen Sinn uniformiert. Sie trugen im Grunde die gleiche Kleidung wie im Alltag also Hosen und Wämser wie man sie auf zahllosen Bildquellen finden kann. Allerdings findet man immer wieder Versuche die Aufgebote durch ihre Kleidiung kenntlich zu machen und so gibt folgende Anweisung für die Ausstattung der Fußknechte:
„[…] die kleydunge wirt syn gantz rot reisigen, richtern, portenern und fuszknechten, doch iglichem Duche nach synem Werde vnd uff dem lingten arme zwo sparren eyner brun, der ander wysz von ein ander gescheiden, damit das rode sich in der mitte selbs usszeuge.“
„[…] die Kleidung der Reisigen, Richter, Wächter und Fußknechte wird ganz rot sein, doch jedem ein Stoff gemäß seiner Würde und auf dem linken Arm zwei Winkel, der eine braun, der andere weiß [und diese] im Abstand von einander [angebracht] damit sich das rote in der Mitte zeigt.“ (Regest vom 13.4.1475)
Ebenso findet sich eine Ausgabe von 172 „Stück Tuch“ an das Aufgebot aus dem besagte Kleidung gemacht wird. Vermutlich bezieht sich das auf den Rock, also die Jacke die in süddeutschen Quellen auch als „Schecke“ auftaucht.
Zudem findet sich in den Ratsakten der Stadt in einem Dokument dass sich mit der Entsendung von Reisigen und Fußknechten nach “Nyderlandt”befasst, folgende Angabe:  „Jeder Knecht soll 1 fl. rh. „zu einem Rock““ erhalten, zudem werden zweifarbige Gugeln ausgegeben: “[…] und darzu ein Kogel geben von zwey Farben […]“. Bei dieser Kogel handelt es sich um eine überziehbare Kapuze die in der Literatur üblicherweise als Gugel auftaucht. Wir haben es hier als mit einem frühen Versuch zu tun, eine einheitliche Uniform zumindest innerhalb des Frankfurter Aufgebotes zu schaffen. Da die Teilnehmer, wie damals nicht unüblich den Stoff ausgehändigt bekamen und für die Herstellung des Rocks und der Kogel selbst verantwortlich waren, dürfte das Bild immer noch recht heteroen gewesen sein.

Frankfurter Büchsenschütze um 1475 mit Schutzwänden for eine Burgruine

Frankfurter Büchsenschütze um 1475 bei der Belagerung einer Burg

Die Hantbusse:

Die älteste erhaltene Waffe dieser Art ist bezeichnenderweise in den Ruinen ebendieser Burg Tannenberg gefunden worden die 1399 von den Frankfurtern sturmreif geschossen worde war und gibt einen guten Eindruck vom Aussehen einer solchen Waffe anfang des 15. Jahrhunderts.
Wegen des Einfalls der Hussiten im frühen 15. Jahrhundert intensivierte man in vielen Städte diese Rüstung und tauschte zunehmen die Armbrust gegen Handbüchsen aus. Obwohl in Frankfurt mehrere Hersteller von Kanonen und Handbüchsen dokumentiert sind, bestellte der Rat 1430 in Nürnberg 8 Handrohre und offenbar nach eindringlicher Prüfung 1431 noch 403 weitere „Hantbussen“. Offenbar versuchte der Rat der Stadt alle wehrfähigen Bürger die zu Fuß kämpften mit modernen Handbüchsen auszurüsten. Hierführ wurde sogar eine Bürgerzählung durchgeführt und die Anzahl der wehrfähigen Männer ermittelt die dann duch eine Sonderabgabe von 12 Schilling die neuen Büchsen finanzieren mussten.

Insgesamt wird die Anzahl solcher Handbüchsen in Frankfurt im 15. Jahrhundert auf 2000 Stück geschätzt und die 1431 gekauften Büchsen wurden vermutlich mindestens bis 1488 verwendet.

Leider ist die genaue Form dieser Handbüchsen nicht mehr zu ermitteln, eine Rekonstruktion von Rathgen aus den 1920er Jahrne erscheint uns recht frei interpretiert. Worin wir mit dem Autor aber übereinstimmen ist die konstruktive Verwandschaft mit der oben angeführten Tannenbergbüchse und dass das Material nach den erhaltenen Unterlagen des Rates zweifelsfrei eine Gelbgusslegierung. Unter den erhaltenen Büchsen dieser Zeit gibt es leider nicht viele Stücke die als Anhaltspunkt herangezogen werden können. Alle eisernen Büchsen scheiden ebenso aus wie die vielen Hakenbüchsen, die zwar grundsätzlich einem Handrohr ähnlich sind, aber in den Quellen anders benannt werden.
Glücklicherweise wurde 1871 in Schwarzort (pol. Juodkrantė) auf der kurischen Nehrung im heutigen Litauen eine solche Büchse aus Bronze gefunden, die in ihrem Gewicht dem in den Rechnungen angegebenen bemerkenswert gleicht und mit der Tannenberbüchse nah verwandt, aber moderner ist.

Diese Büchse die für uns die Frankfurter Bürgerbüchse ersetzt ist ohne Stange 445 mm lang, wiegt 2,58 Kg und hat ein Kaliber von 17 mm.
Uwe Jahn aus Radebeul, ein historischer Darsteller und Experte für historische Feuerwaffen fertigte uns einen Nachbau, der aus Gründen der Sicherheit aus gefräßter Bronze besteht aber optisch der Vorlage sehr ähnlich ist. Selbst die Gußlunker der gegossenen Vorlage wurden nachträglich eingefräßt und machen die Illusion perfekt. Die Büchse verfügt sowohl über einen scharfen als auch einen Böllerbeschuß.

Der Ladevorgang:

Die Frankfurter Bürgerbüchse war, wie nahezu alle frühen Handfeuerwaffen, ein Vorderlader. Kugel und Pulver werden also durch die Mündung eingebracht. Aus Zeugbüchern wie z.B. dem Kriegsbuch des Ludwig von Eyb zum Hartenstein kennen wir die Ausrüstung eines Büchsenschützen über die Waffe hinaus. So gab es kleine gedrechselte Holzdosen mit denen abgemessene Pulverladungen transportiert wurden, Kugelbeutel, Pulverhörner, Räumnadeln für das Zündloch und einiges mehr.
Den ganzen Ladevorgang wollen wir hier wiedergeben:

Aus einer kleinen gedrechselten Holzdose wird eine abgemessene Menge an Pulver, in diesem Fall etwa 12 g in den Lauf geschüttet.

Aus einer kleinen gedrechselten Holzdose wird eine abgemessene Menge an Pulver, in diesem Fall etwa 12 g in den Lauf geschüttet.

Nachdem ein Stück Stoff, das sogenannte Schußpflaster und die Kugel aus Blei eingebracht wurden, stopft der Schütze die ganze Ladung mit dem Ladestock fest. Luft in der Ladung würde die Wirkung deutlich abschwächen.

Nachdem ein Stück Stoff, das sogenannte Schußpflaster und die Kugel aus Blei eingebracht wurden, stopft der Schütze die ganze Ladung mit dem Ladestock fest. Luft in der Ladung würde die Wirkung deutlich abschwächen.

Aus einem kleinen Pulverhorn wird nun Zündkraut, fein gemahlenes Schießpulver auf die Pfanne gegeben. Der drehbare Deckel wird danach gechlossen und erst unmittelbar vor dem Schuß wieder geöffnet. Im Gegensatz zu den früheren offenen Zündpfannen ein großer Fortschritt, da die Waffe viel besser zu handhaben ist.

Aus einem kleinen Pulverhorn wird nun Zündkraut, fein gemahlenes Schießpulver auf die Pfanne gegeben. Der drehbare Deckel wird danach gechlossen und erst unmittelbar vor dem Schuß wieder geöffnet. Im Gegensatz zu den früheren offenen Zündpfannen ein großer Fortschritt, da die Waffe viel besser zu handhaben ist.

Die Waffe wird angelegt, in diesem Fall unter dem Arm. Es gibt auch Abbildungen auf denen auf der Schulter angelegt wird. Mittels eines Luntenstocks wird die glühende Lunte auf die Pfanne gelegt und die Ladung wird gezündet.

Die Waffe wird angelegt, in diesem Fall unter dem Arm. Es gibt auch Abbildungen auf denen auf der Schulter angelegt wird. Mittels eines Luntenstocks wird die glühende Lunte auf die Pfanne gelegt und die Ladung wird gezündet.

Der Schuß geht los und ein Feuerstrahl und eine Rauchwolke schießen aus der Mündung

Der Schuß erzeugt einen recht beeindruckenden Feuerstrahl und eine Rauchwolke. Der Rückstoß ist spürbar, aber vergleichsweise gering. Foto von Stefan Celba

Elsbet Orth: Die Fehden der Reichsstadt Frankfurt am Main im Spätmittelalter. Fehderecht und Fehdepraxis im 14. und 15. Jahrhundert. Franz Steiner, Stuttgart 1973 (Frankfurter Historische Abhandlungen 6), bes. S. 165.

Rathgen: Das Geschütz im Mittelalter (1928) S. 68 ff

Nusser, Alexandra: Der Neusser Krieg 1474/75 aus der Sicht des Frankfurter Rates und seiner Gedanken in: Archiv für Frankfurter Geschichte und Kunst Bd. 68 (2002) S. 11-34

Florian, Gebhard: Der Weit-berühmten freyen reichs-wahl-und handels-stadt Franckfurt am Mayn Chronica (1734)

Martin Romeiss: Die Wehrverfassung der Reichsstadt Frankfurt a. M. im Mittelalter. In: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst. Fünfte Folge, Zweiter Band, Heft 41, Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1953

Universitätsbibliothek Erlangen, H62/MS.B. 26, Ludwig von Eyb zum Hartenstein: Kriegsbuch und Bellifortis und Feuerwerkbuch

Wolfegger Hausbuch, ohne Signatur, um 1475

Universitätsbilbiothek Frankfurt am Main, Ms. germ. qu. 12, Hans Dirmstein: Die sieben weisen Meister.

Weitere Informationen zu frühen Feuerwaffen finden Sie auf: Bummsbrigade Hamborch

Die gezeigte Stangenbüchse wurde von Uwe Jahn gefertigt und kann über www.mittelaltersuse.de bezogen werden.

Wenn nicht anders angegeben, sind alle Fotos auf dieser Seite von Andreas Vollborn-Rahn, einem befreundeten Darsteller vor der Kulisse der Ruine Brandenburg aufgenommen worden.

Heerzug aus dem sog. Wolfegger Hausbuch um 1474

Heerzug aus dem sog. Wolfegger Hausbuch um 1475. Vermutlich handelt es sich um das Nassauer Aufgebot nach Neuss.

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